Wochenmarkt, mein Wochenmarkt!

Warum gibt es hier eigentlich keine Smileys mit schlimm romantischen Herzchenaugen?
Ich würde 10 davon benutzen, um euch “meinen” Wochenmarkt, der natürlich nicht mal annähernd meiner sondern voll und ganz Vechtas Wochenmarkt ist, zu beschreiben.

Manchmal frage ich mich, wie ich meinen Einkauf gestaltet habe bevor ich den Wochenmarkt in Vechta kannte. Ob ich glücklich war? Glücklich im anonymen Supermarkt – zwischen hohen Regalen, Werbung und manchmal auch schlimm übellaunigen Angestellten? Es gibt auch die Netten, bevor ihr schimpft. Aber auf dem Markt ist die Wahrscheinlichtkeit, dass jemand nett zu einem ist, einfach soooo viel größer.

Ich verliere mich schon wieder in Antisupermarktstimmung. Dabei ist doch Promarktstimmung so viel schöner. Und ich schreibe diesen Eintrag doch um euch anzustecken.

Also los.

Gerne fahre ich mit dem Rad zum nicht weit entfernten Wochenmarkt der Stadt Vechta. Aber ich gebe zu, gerade zur kalten Jahreszeit muckel ich mich auch gern ins Auto, um Erfrierungserscheinungen und bibbernden Bestellungen vorzubeugen. Das will nämlich auch keiner sehen.
So fahre ich, ob auf 2 oder 4 Rädern, also gut gelaunt auf den “Parkplatz hinter dem Pferd”, auf dem der Markt zuhause ist. Aussteigen. Marktluft atmen.

Meistens führt mein Weg zunächst vorbei an den zwei Bäckereiwagen (Markus Knuf mit bestem Biobrot und die Altstadtbäckerei Krogmann). Besonders der nette Mann im Wagen der Altstadtbäckerei hat`s mir angetan. Immer nett und freundlich und nie um `nen Spruch verlegen. Da wird von Weitem schon Moin gerufen, da werden nette Komplimente gemacht, da wird auch nicht komisch geschaut, sollte mal keine Backware in meinem Körbchen landen. Toller Typ, sag ich euch. Und das Brot schmeckt so richtig lecker.

Dann vorbei an Detlef Schramm, der mit leckeren glutenfreien Suppen und Sößchen aufwartet.

Für mich geht`s dann flott weiter zu meiner “Olivenfrau” von “Lieblingsoliven aus Bramsche”. Da gibt`s so leckere Dinge wie Pasten, Brote, Flieder, Knoblauch, Öle, Antipasti und die weltbesten Oliven mit Mandelfüllung in Knoblauchöl eingelegt. Die Oliven zum Beispiel müssen immer mit und werden bei jeder Gelegenheit mit Gästen und auch ohne verspeist. Und wie nett die Olivenfrau ist. Ich muss unbedingt mal nach ihrem Namen fragen. Wobei Olivenfrau auch charmant ist, wie ich finde. Die Frau der Oliven. Klingt episch. Und womit? Mit Recht!

Hab ich mich also mit leckeren Leckereien eingedeckt geht`s weiter zur Gärtnerei Grünzeug. Da verkaufen supernette Leute supergutes Obst und Gemüse. Neben Fachwissen und Rezepttipps gibt`s ein nettes Pläuschchen und schmeichelnde Komplimente. Ich vergesse nie den Moment als mein Mann und ich uns um die Frage kabbelten, wer nun säckeweise Grünkohlblätter zum Auto trägt und die nette Verläuferin uns anstrahlte und sagte, dass wir unbedingt öfter kommen müssten, weil wir so niedlich miteinander seien. Verkaufstaktik? Nä! Das kam spürbar von Herzen. Haltet mich für naiv, aber ich erkenne Schleimspuren 10 Meilen gegen den Wind und da war weit und breit keine zu sehen.
Ich mag diese Leute einfach. Und der Preis für die Waren ist durchaus fair, wenn man sich bewusster ernähren möchte. Meistens ist mein Korb prall gefüllt mit Leckerein aller Art. Ich finde, ein Besuch bei “Grünzeug” lohnt sich.

Mein Weg führt mich dann häufig weiter zu Fleischerei Pelters. Der beste Fleischsalat der Stadt ruft förmlich meinen Namen. Kitchich! Kitchich! Komm und hol mich. Und Kitchich holt. Regelmäßig. Auch das Rauchfleisch sucht Seinesgleichen. Wurst gibt`s neben Schinken und Co auch. Nur Hackfleisch geht wohl aufgrund der Hygienevorschriften nicht, schade eigentlich. Aber was soll`s dann kommt eben ein Stück Fleisch in den heimischen Fleischwolf und fertig. Die Schlange ist immer lang, die Qualität anscheinend bekannt.

Fleisch eingepackt, weiter gehts zu den netten Menschen vom “Tiroler Bauernstandl”. Hier gibt`s außergewöhnliche Käse- und Fleischprodukte. Ich frage häufig nach neuen Geschmäckern und werde immer nett beraten. Da darf auch mal probiert werden, wie schön. Ich gehe dort immer gern vorbei und erlebe jedes Mal ein neues Geschmackserlebnis. Ganz nach meinem Geschmack.

Auf geht`s jetzt zur Fischräucherei Kern. Ich bin ja eigentlich nicht so der Fischfan, aber bei Lachs und Garnelen mache ich doch gerne mal eine Ausnahme. Und Herr Kern hat mir tatsächlich angeboten, dass ich früh morgens anrufen kann und er mir dann extra Garnelen mitbringt. Das nenne ich mal Service. Ganz ehrlich, wo bekommt man sowas denn noch? Und witzig sind `se da auch noch. Nie um nen Spruch verlegen und super sympatisch.

Und schnell nach nebenan. Hähnchen, Wild und Eier. Johannes Kathmann.
Da ich Hähnchen liebe und neuerdings Wildfan bin bleibt ein Besuch bei Kathmanns nicht aus. Besonders toll finde ich, dass ich Lammkarree und Kikokhähnchen bekomme. Auch cool ist, dass zum Beispiel Hähnchen auch ausgelöst wird, wenn das gewünscht wird. Das erleichtert mir doch die Kocherei manchmal stark.
Die Verkäufer*innen sind immer supernett und ich freue mich immer, wenn ich erfolgreich “gewildert” habe.

Hallo jonge Dame. So hört`s von den zwei Käsemännern von “de Kaas Cateraar” aus Holland. Die sind so nett und haben so guten Käse. Jedesmal darf man ein Stückchen probieren. Und wenn man Edamer sucht, wird einem immer gleich ein Vergleichsprodukt vorgeschlagen. Ich liebe das. So lerne ich Neues kennen, bin käsegkücklich und gestärkt für den weiteren Einkaufsmarathon. Ich könnte diesen Wagen auch direkt mit nach Hause nehmen und in meinen Garten stellen. Was für ein Gedanke. Jeden Morgen “Halo jonge Dame” und schwups ein gutes Stück Käse in der Hand. Könnt ich mich dran gewöhnen….

Wenn ich dann käseglücklich weiterschländere führt mein Weg mich schnell zu Obst Bothe. Tolle, riesige Auswahl an Obst und Gemüse. Es gibt auch Marmelädchen, Kräuter und die ein oder andere Rezeptempfehlung. Nettes Personal und Probierportionen inklusive. Da hab ich schon das ein oder andere Kilogrammm an Obst für leckere Schnäpse weggetragen. Wer also Leckerein vom Feld, Baum oder Beet sucht, ist bei Bothe immer gut aufgehoben.

Last but not least kommen noch Blümchen ins Körbchen. Darüber freue ich mich immer stark. Und das hätte ich vor einem Jahr auch noch nicht für möglich gehalten, war ich doch immer so traurig wenn Blumen verwelkten. Damit kann ich nun erstaunlicherweise ganz gut umgehen und erfreue mich des bunten Anblicks immer mehr. Blumen Hartmann macht`s möglich. Die netten holländischen Verkäufer machen jeden Blumenkauf zum Erlebnis, wickeln die Blümchen transportsicher ein und lassen mich mit einem Lächeln auf den Lippen zurück in mein Auto steigen.

Was noch unbedingt zu erwähnen ist: plastik- und müllfreies Einkaufen gelingt auf dem Wochenmarkt häufig problemlos. Das freut mich, neben all den anderen Vorteilen, ganz besonders stark.

Findet ihr nicht auch, dass es nun unbedingt eines Herzchensmileys bedarf? Ich sage JA! Stellt euch ein Kind mit weitaufgerissenen Augen auf dem jährlichen Jahrmarkt vor. So stehe ich allwöchentlich samstags auf dem Markt, freue mich des Lebens und der Lebensmittel, die ich erwerbe und fahre glücklich wieder zurück nach Hause.

Wochenmarkt, mein Wochemarkt.
KitchIch